top of page

Solche und solche Narren im Schnee

Schneeglöckchentage in Knechtsteden am 18./19.2.2023

Wenn zur Hochzeit des Karnevals in den rheinischen Hochburgen gelbrote Narren mit Glöckchen an den Kappen geräuschvoll herumpurzeln, kommen andernorts auch die Stillen zu Wort. Während auf hohen Wagen und Bühnen bekannte Hits, Buntheit und Freizügigkeit viele stimulieren, gehen andernorts weniger auffällige Menschen in die Hocke und richten ihren Blick nach unten. Dem Boden ganz nah wollen sie den Liebreiz des Vorfrühlings erspähen. Sie erwarten mit Spannung ein Heer von weißgrünen Röckchen besser gesagt Glöckchen, die auf leise Art eine große Show der alternativen Art hinlegen. Der Bonner Botanische Garten nannte es mal „den Karneval in Weiß“.

 

Während dem Karnevalisten feste Tage im Kalender gegeben sind, kann das Schneeglöckchen unterschiedlich disponieren. Um Schnee und Eis zu trotzen, machen die Schunkelnden Zwiebellook mit Skiunterwäsche. Das Schneeglöckchen mit seiner eigenen Zwiebel kann sich besinnen und mit seiner Blüte etwas warten oder seine Kronblätter einfach ein wenig zusammenzuhalten.

 

Die Schneeglöckchen - ob in Wild- oder Zuchtform - heizen ebenso wie die jecke Kultur großen Fangemeinden ein. Manche Besessenen sind Mitglied in beiden Clubs. Während der Karneval auf seinem Scheitelpunkt in die Fastenzeit abstürzt, markiert die Schneeglöckchenblüte für die Naturfreunde den ausgehenden Winter; sie steht für die ansteigende Linie der Vegetation.

 

Auch die Stillen kommen zu Wort und sie bringen das erste Leuchten auf winterdunkle Böden.

 

Bei Heinrich Marzell in seinem Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen beeindruckt mich die unvorstellbare Menge der phantasievollen, mundartlichen Namen, die im deutschsprachigen Raum für die kleine weiße Blume überliefert sind. Besonders gefielen mir die Namen „Geckentönnche“ (der „jecke Anton“) und „Dolljöppke“ (der „dolle Josef“), die so nur im rheinischen Umfeld kreiert werden konnten. In der großartig facettierten  regionalen Namengebung schwingt immer die Sehnsucht nach Frühling mit. Wenn der In-die-Hocke-Gegangene den Winterblüher endlich zwischen altem Laub und frischem Schnee entdeckt, greift die scheinbare Fragilität, die Schlichtheit, das Kecke, die klare Schönheit dem Wintermüden ans Herz.

 

Am 19. und 20. Februar 2022 konnte ich das erste Mal an den Schneeglöckchentagen in Knechtsteden teilnehmen und meine Malerei inmitten des großen gärtnerischen Angebotes zu den Frühblühern zeigen. In 2023 werde ich wieder mit neuen Bildern und bekanntem Angebot dabei sein und mich auf ein „Hallo!“ freuen.

 

Knechtsteden hat einen bedeutenden Platz in der Schneeglöckchenwelt. Der heisere Karnevalist kann sich dort in der Freiluftveranstaltung eine Pause gönnen.  Die Schneeglöckchensammler mit ihren Einkaufswägelchen werden schon vor 9:00 Uhr am Tor warten und ihre Wunschliste weiter abarbeiten wollen.

www.schneegloeckchentage-knechtsteden.de.                               Christel Rump

bottom of page